Januar 2009 Immobilienwirtschaft – Noch ein neuer Verein

Computer Aided Facility Management. Der CAFM Ring e.V von Aperture, Conject, Loy & Hutz und Speedikon will per Qualitätsoffensive einer weiteren Fragmentierung der Softwarehersteller entgegenwirken. Kann das gelingen?

Ein neuer Versuch, aus dem Exotendasein in der betrieblichen IT-Landschaft zu treten, lässt sich im Bereich Computer Aided Facility Management beobachten. Der deutsche Markt ist um den kürzlich gegründetenCAFM- Ring e.V. reicher. Die Hersteller von Facility Managementsoftware Aperture, Conject, Loy & Hutz und Speedikon wollen den Nutzen von IT im Facility Management deutlicher machen. Zielgruppe sind für sie die Facility Mager in der Industrie und die zuständen Amtsleiter in der Verwaltung.

Das Dilema der Ringmitglieder

Man sucht laut Hansjörg Cohnen, Gründungspräsident des CAFM- Ring und geschäftsführender Gesellschafter von Aperture GmbH auch noch weitere Software-Anbieter für die Vereinigung. Diese sollten mit konsequenter Kundenorientierung, Fairness im freien Wettbewerb und transparenten Qualitätsstandards aufwarten können. Unverholen hofft man auf die Mitgliedschaft der SAP AG. Doch der Walldorfer Software-Riese seinerseits hofft aufgrund der Nähe der CAFM-Systeme zu ERP-Lösungen eher selbst auf CAFM-Großaufträge aus der Industrie. An diesem Beispiel zeigt sich deutlich ein Dilemma der neuen Vereinigung: Ihre Mitglieder sind ihren insgesamt zirka 2.000 CAFM-Kunden zum Trotz häufig zu klein, um bei Auftraggebern aus Großkozernen mit SAP in allen Belangen konkurrieren zu können. SAP hat es da – zumindest bei ihren Bestandskunden aus den einzelnen Industriebereichen – leichter.

Die Zersplitterung aufhalten

Im deutschen CAFM- Markt sind laut, „Softwareguide Real Estate 2009“ mehr als 70 Anbieter tätig. Es ist noch weitestgehend unklar, wer aus dieser zersplitterten Herstellerlandschaft denn von sich aus wünschen könnte, in den neuen Branchenring aufgenommen zu werden. Größere Player , wie IMS, Pit Cup oder Planon, sind bislang nicht vertreten. Es ist auch nach Gründung des CAFM- Rings nicht gleich ersichtlich, ob dieser eher der weiteren Fragmentierung der deutschen CAFM- Landschaft Einhalt gebieten kann als jedes der bislang vier Mitglieder einzeln. Der eigentliche Nutzen von CAFM Liegt nicht im Abverkauf von Software-Systemen. Wie der Kundennutzen durch den gemeinsamen Erfahrungssatz des Rings gesteigert werden kann, bleibt abzuwarten.

Zusammen besser als allein?

Letztendlich bleibt die Frage, worin die vier Ringhäuser die immer komplexeren Anforderungen seitens der CAFM- Anwender zusammen besser befriedigen wollen als vorher allein. Oder ist die gegründete „unabhängige Interessenvertretung“ gar kein Ausschlussring? Sollte der Markt bei Ausschreibungen gar ein Auge auf eventuelle Preisabsprachen unter den Ringmitgliedern haben? Ruft der Ring am Ende noch das Kartellamt auf den Plan? Nein. Denn es droht selbst bei einem signifikanten Marktanteil der vier Firmen in Deutschland keine marktbeherrschende Stellung. Dafür sind die Verbindungen untereinander bislang auch zu lose. Und auch die ringinterne Interessenlage ist zu sehr von gegenseitiger Konkurrenz am Markt geprägt. Was wird man eigentlich tun, wenn sich zwei Ringmitglieder als letzte Teilnehmer in einer Ausschreibung befinden? Wird nach Absprache einer generös verzichten? Wohl kaum. Deshalb – so die Prognose – wird wie bei vielen Kooperationen zuvor wohl erneut viel Zeit und Geld für Meetings aufgewendet, um bei der Probe aufs Exempel doch zu merken, dass einem das Hemd näher ist als der Rock.

Jörg Seifert, Freiburg

Quelle: Immobilienwirtschaft 12/08-01/09

 

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